
I Love Vienna
Houchang Allahyaris Kinohit mit Michael Niavarani: Der Deutschlehrer Ali Mohamed zieht mit Schwester und Sohn von Teheran nach Wien, jene Stadt, die er in seiner Heimat vor allem aus den „Sissi-Filmen“ kennen- und lieben gelernt hat. Kaum angekommen erkennt er jedoch, dass Vorstellung und Realität nicht ganz zusammenpassen.
Nach der Vorstellung stehen Produzent Dieter Pochlatko und Regisseur Houchang Allahyari für eine Publikumsdiskussion zur Verfügung. Moderation: Christian Pogatetz.
Die EPO-Filmproduktion Wien-Graz feiert im Jahr 2025 ihr 70jähriges Bestehen, ein schöner Anlass, ein aufwändiges Jubiläum zu zelebrieren.
Das tun wir in Form einer repräsentativen Werkschau, einem „Best of“ der Produktionsjahre 1955 bis 2025.
Im Monatsrhythmus werden im Jahr 2025 zwölf ausgesuchte EPO-Film Kinospielfilme gezeigt, jeweils donnerstags in der letzten Woche des Monats um 19:00 Uhr.
Der Großteil der Vorstellungen wird von dem Regisseur des Films begleitet und gemeinsam mit EPO-Produzent KommR Prof. Dieter Pochlatko präsentiert.
Was kann jemand, der zum ersten Mal in einem fremden Land ankommt, in dem er ein neues Leben beginnen soll, anderes tun, als so nett wie möglich zu den Menschen zu sein? Und so ist „sehr erfreut“ einer der am häufigsten geäußerten Sätze von Ali Mohammad, der aus dem Iran stammt und mit seiner jüngeren Schwester und seinem jugendlichen Sohn nach Wien zieht. Er ist der Protagonist des Kultfilms I Love Vienna, der vierte Spielfilm des im Iran geborenen, aber in Österreich lebenden Regisseurs Houchang Allahyari.
Ali Mohammad (gespielt von Fereydoun Farokhzad) ist ein geschiedener Mann in den Vierzigern, der all sein Hab und Gut verkauft hat, um nach Österreich zu ziehen. Hier ist es jedoch nicht einfach, vor allem wenn man kein politischer Flüchtling ist und daher keine langfristige Aufenthaltserlaubnis erhalten kann. Sein Satz “ I love Vienna“ nützt wenig, wenn man ihn fragt, warum er in Österreich bleiben will. Der Mann wohnt im Hotel Praterstern, wo seit einiger Zeit auch viele andere Ausländer wie er leben. Hier lernt er jeden einzelnen von ihnen kennen und beginnt auch eine Beziehung mit Marianne (Dolores Schmidinger), die das Hotel gemeinsam mit ihrem Ex-Mann (ein exzellenter Hanno Pöschl) führt.
Und so entfaltet sich I love Vienna durch ein Hin und Her von Geschichten und Kulturen, die sich unweigerlich treffen und miteinander verflechten. Eine bissige Komödie mit einem bitteren Nachgeschmack, aus der aber auch ein willkommener Optimismus leuchtet.
Houchang Allahyari beschließt, uns alles zu zeigen. Selbst die dramatischsten und paradoxesten Situationen. Doch sein Film will den Zuschauer nicht um jeden Preis mit einfachen Mitteln begeistern. In diesem farbenfrohen und heiteren Gesellschaftsfresko werden heikle Themen angesprochen – vor allem kulturelle Unterschiede und unterschiedliche Betrachtungsweisen von Ehe und Liebesbeziehungen – aber alles ist ironisch inszeniert und wird durch zahlreiche Missverständnisse und paradoxe Situationen noch witziger gemacht.
Houchang Allahyaris Kamera zielt auf eine extrem realistische Inszenierung (man denke, dass der Regisseur, der, bevor er sich der Filmwelt widmete, als Psychiater und Psychoanalytiker arbeitete, immer vom italienischen Neorealismus und Postneorealismus fasziniert war, mit einer Vorliebe für das Kino von Pier Paolo Pasolini). Lieder, Tänze und Szenen gemeinsamer Freude, die sich mal im Hotel, mal in einem Wiener Wirtshaus abspielen, lassen den Zuschauer sofort an dieser Welt teilhaben. Das Endergebnis ist ein getreues Porträt eines Wiens, das nur wenige Menschen kennen. Ein Wien, das seit Anfang der 1990er Jahre von neuen, vielfältigen Kulturen bevölkert wird (wie die Szene zeigt, in der Ali Mohammad wegen einer Blinddarmentzündung operiert wird und bemerkt, dass alle Ärzte und Krankenpfleger aus verschiedenen Ländern stammen).
Und so erweist sich I Love Vienna als zeitgemäßer denn je. Die Geschichten der Protagonisten sind die Geschichten von Millionen anderer Menschen auf der ganzen Welt, die sich entschieden haben, ein ganz neues Leben zu beginnen. Und Houchang Allahyari ist es gelungen, das alles in knapp zwei Stunden voller Lachen, Nachdenken und allerlei Überlegungen authentisch und aufrichtig zu inszenieren.
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