So wie du mich willst

Regie:

Safy Nebbou

Produktionsland / Jahr:

Frankreich 2019

Filmlänge:

101 Minuten

In der Verfilmung des Romans von Camille Laurens geht Autor und Regisseur Safy Nebbou ganz eigene Wege. Weil der Weg von einem Medium zum anderen immer mit Veränderungen verbunden ist. Er erzählt von einer Frau Anfang 50, die von ihrem Mann für eine Jüngere verlassen wurde. Sie erstellt ein Online-Profil bei Facebook, aber ein fiktives, in dem sie selbst jünger ist. Ein junger Mann beginnt mit ihr zu flirten. Etwas, das die Frau genießt, sich sogar verliebt. Aber was soll sie machen, wo dieser junge Mann doch ein ganz anderes Bild von ihr vor seinem inneren Auge hat?

 

Binoche spielt Claire, eine Professorin, die von ihrem Mann nach mehr als 20 Ehejahren für eine Jüngere sitzengelassen wurde. Sie hat eine Affäre mit einem jüngeren Mann, der ihr aber kaum Aufmerksamkeit schenkt. Darum kommt sie auf die Idee, in einem sozialen Netzwerk ein falsches Profil anzulegen. Als Clara kommt sie so mit Alex, dem besten Freund ihres Liebhabers, in Kontakt. Ein Kontakt, den sie so nicht erwartet hätte, denn schon bald telefonieren Alex und Claire, die immer noch vorgibt, Clara zu sein. Beide verlieben sich ineinander, er drängt immer mehr, sie endlich sehen zu wollen, aber sie muss ablehnen. Denn wie könnte sie Alex vor die Augen treten und ihm erklären, dass alles außer ihren Gefühlen eine Lüge war?

Die Struktur des Films ist wirklich schön. Die Haupthandlung wird über eine Sitzung bei einer Therapeutin erzählt, später gibt es einen klaren Bruch und eine fiktive Version dessen, wie die Geschichte hätte weitergehen können, nur um dann noch einmal alles auf den Kopf zu stellen. Das ist mutiges Storytelling, das sich einer linearen Erzählweise verweigert und zudem auf ein Ende zusteuert, das keines ist – oder alles sein kann. An einem Punkt der Geschichte sagt jemand, dass Geschichten mehr als ein Ende haben können. Das gilt auch für „So wie du mich willst“, der dann aber offenlässt, wie es weitergeht. Es könnte eine Spirale werden, die zum Anfang zurückführt, ohne dass das ursprüngliche Problem gelöst worden wäre.

Der Film funktioniert nicht nur, weil er mit Juliette Binoche eine starke Schauspielerin hat, die mit subtiler Mimik unendlich viel aussagen kann, sondern auch, weil er in einer interessanten Zwischenwelt existiert. Er spielt mit Schein und Sein. Etwas, das in den Welten des Internets und der sozialen Netzwerke Gang und Gebe ist, da jeder sich so gut wie möglich präsentieren möchte. Aber hier werden die Schattenseiten gezeigt, wenn das fiktive Leben das reale zu überdecken droht. Denn Claire ist dann am glücklichsten, wenn sie Clara sein kann, aber als Clara ist ihr immer eine Entfaltungsebene vorenthalten. Sie kann mit Alex telefonieren, aber sie kann ihn nie treffen. Es ist eine Liebelei mit Ablaufdatum, weil eine solche Beziehung nur mit dem Bruch enden kann – und zwar egal, was die Hauptfiguren machen.

Der Film spielt dabei zwei Szenarien durch, die beide tragisch enden. Weil die Welt so ist? Oder weil es das Schicksal der Hauptfigur ist, zu leiden? Das ist der eigenen Interpretation überlassen, ist dies doch ein Film, über den man nach dem Verlassen des Kinos noch lange nachdenkt, weil er so viel zu sagen hat, das aber so unaufgeregt getan hat.

Release Info

Filmstarttermin:

9. August 2019

Filmverleih:

Alamode Film Österreich