Montag, 06. September 2010

 

 

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PATRICE LECONTE

Le Grand Inconnu

17. bis 30. September 2010

 

Jeder hat vermutlich zumindest ein oder zwei Filme von Patrice Leconte gesehen - und gemocht. Sympathische Darsteller, kleine Geschichten elegant und spritzig erzählt, schön, doch dezent inszeniert, ein harmonischer Bildaufbau im Stile des poetischen Realismus’. Patrice Leconte’s Filme sind selten laut oder schrill – sieht man von seinen Komödien(früh)werken (z.B. „Les Bronzés“, von dem es noch zwei weitere Teile gibt) ab – provokante Themen behandelt er weder moralisierend noch skandallüstern. So wurden die Filme des 1947 in Paris geborenen Regisseurs auf den großen Filmfestivals weltweit ausgezeichnet, trotzdem ist sein Name dem Gros des Publikums unbekannt. Unverdienterweise, wie wir finden, weshalb wir Ihnen einen repräsentativen Querschnitt seines filmischen Schaffens zeigen und Patrice Leconte zum Auftakt in einer Interviewdokumentation selbst zu Wort kommen lassen.

 


 

Freitag, 17.9.2010, 16 Uhr und 17:00 Uhr (freier Eintritt!)

Leconte on Leconte

UK 2008 – 57 Minuten – Regie: David Gregory – französische Originalfassung mit englischen Untertiteln

Interviewdoku in der Patrice Leconte über sein Schaffen und seinen Zugang zum Film(en) erzählt.


 

Freitag, 17.9.2010, 18:00 Uhr

Die Strandflitzer - Les Bronzés

F 1978 – 94 Minuten – französische Originalfassung mit englischen Untertiteln

Mit: Dominique Lavanant, Michel Blanc, Christian Clavier, Thierry Lhermitte

Französischer 1970er Jahre Kultfilm, eine Parodie auf Hotelurlaube(r). Die Darsteller gehören alle der Theatergruppe Splendid an und stellen komische Alltagsmenschen dar, die in einem Clubhotel in der Elfenbeinküste Urlaub machen.


 

Samstag, 18.9.2010, 18:00 Uhr

La famille heureuse

F 1973 – 13 Minuten - französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

 

Die Verlobung des Monsieur Hire - M. Hire

F 1989 – 77 Minuten - französische Originalfassung mit englischen Untertiteln

Mit: Michel Blanc, Sandrine Bonnaire, Luc Thuillier, Eric Bérenger. Musik: Michael Nyman

Ein von allen geschnittener hässlicher und eigenbrötlerischer Mann verliebt sich in eine junge Frau, die er allabendlich von seinem Fenster aus in ihrer Wohnung beobachtet. Er glaubt, das Wissen um ihr düsteres Geheimnis für seine Zwecke nutzen zu können. Ein trister Film über ein erstarrtes Leben, undurchsichtige Gefühle und trügerische Hoffnungen, der geschickt die Sympathie der Zuschauer lenkt. Durch die überzeugende filmische Umsetzung des Stoffes und die überragende Interpretation entwickelt sich eine intensive Lektion über die Ambivalenz von Gut und Böse.


 

Sonntag, 19.9.2010, 18:00 Uhr

Der Mann der Friseuse - Le mari de la coiffeuse

F 1990 – 79 Minuten - französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Mit: Jean Rochefort, Anna Galiena, Roland Bertin, Maurice Chevit. Musik: Michael Nyman

Im Alter von 12 Jahren beschließt ein Junge, später einmal eine Friseuse zu heiraten - für ihn der Inbegriff aller Sinnlichkeit. Jahre später verwirklicht er diesen Traum an der Seite einer Frau, mit der er eine enge, weltabgewandte Ehe führt, bis sie sich aus Angst, dass die Leidenschaft abebben könnte, das Leben nimmt. Eine formal beeindruckende, mit ungewöhnlich leichter Hand und sanftem Humor inszenierte Geschichte einer "amour fou", inszeniert als Bekenntnis zu Fantasie und Sinnlichkeit.


 

Montag, 20.9.2010, 18:00 Uhr

Tango Mortale – Tango

F 1993 – 86 Minuten - französische Originalfassung mit englischen Untertiteln

Mit: Philippe Noiret, Richard Bohringer, Thierry Lhermitte, Jean Rochefort, Miou-Miou

Ein betrügerischer Ehemann lässt sich, als die Frau ihn verlässt, von seinem unverheirateten Onkel einreden, dass der Stand eines Witwers für einen Mann ehrenvoller sei als der eines Verlassenen. Der Versuch, mit Hilfe eines Amateur-Killers die Frau umzubringen, endet mit der Wiedervereinigung des Paares. Eine schwarze Komödie, die Techniken im Kampf zwischen den Geschlechtern bespöttelt und unter Beimischung von Mitleid für die Verführbarkeit des Menschen den Zynismus einer sich selbst missverstehenden Männlichkeit entlarvt. Eine ebenso subtile wie amüsante Abrechnung mit Männerträumen und -Illusionen.


 

Dienstag, 21.9.2010, 18:00 Uhr

Das Parfum von Yvonne - Parfum d’Yvonne

F 1994 – 87 Minuten - französische Originalfassung mit englischen Untertiteln

Mit: Hippolyte Girardot, Richard Bohringer, Jean-Pierre Marielle, Sandra Majani

Während der Sommerfrische in einem französischen Luxushotel umweit der schweizerischen Grenze begegnen sich Ende der 50er Jahre ein verträumter junger Mann, der sich der Einberufung zum Militär entzieht, eine attraktive junge Schauspielerin, die vom Kinoruhm träumt, und ihr väterlicher Begleiter, ein homosexueller, leicht exzentrischer Arzt. Die drei verwickeln sich in einen melancholischen Liebesreigen, der in ambivalenter Offenheit endet. Mehr an Stimmungen als an der Handlung interessiert, schafft der atmosphärisch reizvolle Film mit eigenwilligem Erzählrhythmus ein Flair von eleganter Noblesse mit einem Schuss Morbidität und Erotik.


 

Mittwoch, 22.9.2010, 18:00 Uhr

Ridicule

F 1996 – 100 Minuten – deutsche Fassung

Mit: Charles Berling, Jean Rochefort, Fanny Ardant, Bernard Giraudeau

Ein junger Landadeliger kommt 1780 an den Hof von Versailles, um Hilfe für die Drainage eines todbringenden Sumpfgebietes zu erbitten. Um König Louis XVI. für sein Anliegen zu gewinnen, unterwirft er sich den Regeln des dekadenten Hofes, wo sich Höflinge und Mätressen mit scharfzüngigen Reden lächerlich zu machen versuchen. Eine funkelnde historische Satire, die eine kritische Analyse des "bel esprit" mit opulenten Bildern verbindet, den historischen Abstand aber wahrt und soziale Verhaltensweisen erkenntnisstiftend zu entschlüsseln versucht. Ein kraftvolles, intelligentes Zeit- und Sittengemälde, das die Anatomie einer auf den schönen Schein gegründeten Gesellschaft enthüllt.


 

Donnerstag, 23.9.2010, 18:00 Uhr

Alle meine Väter – Une chance sur deux

F 1998 – 110 Minuten – deutsche Fassung

Mit: Jean-Paul Belmondo, Alain Delon, Vanessa Paradis, Eric Defosse. Musik: Alexandre Desplat

Eine junge notorische Autodiebin, die ihren Vater nie kennengelernt hat, macht sich auf die Suche nach ihm und hat plötzlich zwei Kandidaten zur Auswahl: einen Autohändler und einen kriminellen Restaurantbesitzer, die beide in ihre Mutter verliebt waren. Während beide um die Gunst ihrer "Tochter" buhlen, bringt sie die Männer, die sich naturgemäß nicht sonderlich mögen, mit ihren Eskapaden in Teufels Küche. Sympathische aktionsreiche Komödie, besetzt mit den Altstars des französischen Kinos, die ihre Qualitäten in den Dienst der ebenso komplexen wie interessanten Geschichte stellen.


 

Freitag, 24.9.2010, 18:00 Uhr

Die Frau auf der Brücke - Fille sur le pont

F 1999 – 88 Minuten - französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Mit: Vanessa Paradis, Daniel Auteuil, Frédéric Pfluger, Catherine Lascault

Eine junge Frau, die an der Liebe verzweifelt, stürzt sich nachts in Paris von einer Seine-Brücke, ein heruntergekommener, doppelt so alter Messerwerfer verliebt sich in sie, rettet sie und macht sie zur Zielscheibe in seinen Varieté-Auftritten. Das ungleiche Paar hat solange Erfolg, wie er ihre Liebhaber duldet und sie seine Eifersucht. Nach dem Bruch ist er so verzweifelt, dass nun er sterben will. Eine zeitlose, formal meisterhafte Liebesgeschichte mit beeindruckenden Hauptdarstellern, die den großen Vorbildern des französischen Melodrams huldigt.


 

Samstag, 25.9.2010, 18:00 Uhr

Die Witwe von Saint Pierre - Veuve de Saint-Pierre

F 2000 – 108 Minuten - französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Mit: Juliette Binoche, Daniel Auteuil, Emir Kusturica, Michel Duchaussoy

 

1850, vor der Küste Kanadas: Auf der entlegenen Insel St. Pierre wartet der Seemann Neel Auguste auf seine Hinrichtung: Er hat einen Mann ermordet und wurde dafür zum Tod durch die Guillotine verurteilt. Da diese jedoch erst aus der Ferne hergebracht werden muss, fristet Auguste sein Dasein im örtlichen Gefängnis. Die Frau des militärischen Befehlshabers, Madame La, nimmt sich des Sträflings an, der so gar nicht dem Bild eines kaltblütigen Mörders entsprechen will. Zunächst hilft Auguste ihr in ihrem Wintergarten, doch nach und nach macht er sich auch anderweitig nützlich und gewinnt die Sympathie der Bevölkerung. Der Machthaber von St. Pierre gerät zunehmend in einen Gewissenskonflikt: Soll er "die Witwe" - wie die Guillotine genannt wird - ihre tödliche Arbeit verrichten lassen, oder soll er dem Sträfling die Chance geben, ein ehrliches Leben zu führen…? Ein prächtiger Kostümfilm, ein Plädoyer für die Menschlichkeit und eine faszinierende Liebesgeschichte mit dem Startrio Juliette Binoche, Daniel Auteuil und Emir Kusturica.


 

Sonntag, 26.9.2010, 18:00 Uhr

Rue des plaisirs

F 20052 – 87 Minuten - französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln*

Mit: Laetitia Casta, Patrick Timsit, Vincent Elbaz, Isabelle Spade

Paris nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Das beschauliche Leben in einem Bordell ändert sich schlagartig, als die Regierung alle einschlägigen Etablissements schließt. Ein junger Mann, in einem Bordell aufgewachsen, nimmt sich einer Nachwuchshure an und vermittelt ihr einen Auftritt in einer Music Hall; doch kriminelle Machenschaften verhindern ein Happy End. Gut gespieltes, detailfreudig ausgestattetes Kriminal-Melodram als Liebeserklärung an das Pariser Milieu vergangener Zeiten.


 

Montag, 27.9.2010, 18:00 Uhr

Das zweite Leben des Monsieur Manesquier - L’homme du train

F 2002 – 88 Minuten - französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Mit: Jean Rochefort, Johnny Hallyday, Jean-François Stévenin, Charlie Nelson

Ein wortkarger Mann strandet in einer verschlafenen französischen Stadt, wo er auf einen pensionierten Lehrer trifft, bei dem er sich einquartiert. Aus Überdruss an der eigenen Existenz, aber auch aus purer Lust beschließen beide einen Rollentausch, sodass sich der Lehrer in räuberischen Fantasien ergeht, sein Gast genüsslich in dessen Filzpantoffeln schlüpft. Kammerspielartig inszenierte Geschichte um die Suche nach Glück und die Sehnsucht nach einem Neuanfang.


 

Dienstag, 28.9.2010, 18:00 Uhr

Intime Fremde – Confidences trop intimes

F 2004 – 100 Minuten - französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln*

Mit: Sandrine Bonnaire, Fabrice Luchini, Michel Duchaussoy, Anne Brochet

Eine von Eheproblemen geplagte junge Frau irrt sich in der Tür und schüttet statt einem Psychoanalytiker einem Steuerberater ihr Herz aus, der zu fasziniert von der "Patientin" ist, um den Irrtum aufzuklären. Als die Wahrheit ans Licht kommt, hat sich zwischen den beiden bereits eine komplexe Beziehung entfaltet. Patrice Leconte erzählt die Geschichte mit satirischen Seitenhieben auf die Methoden der Psychoanalyse sowie ihre Rezeption im Film und bewegt sich stilsicher im Terrain bürgerlicher Neurosen, die von den hervorragenden Darstellern ebenso subtil wie selbstironisch vorgeführt werden. Ein Spiel mit Geheimnissen und Verwirrungen, akzentuiert durch einen romantischen Unterton.


 

Mittwoch, 29.9.2010, 18:00 Uhr

Mein bester Freund - Mon meilleur ami

F 2006 – 92 Minuten - französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Mit: Daniel Auteuil, Dany Boon, Julie Gayet, Henri Garcin

Ein Pariser Antiquitätenhändler, der seine Freundschaften nur nach ihrer Geschäftszuträglichkeit aussucht, wettet mit einer Geschäftspartnerin, dass er ihr innerhalb eines Monats seinen besten Freund vorstellen wird. In dieser Situation erweist sich ein warmherziger Taxifahrer, der den Einsamen auf Freundschaftssuche durch die Stadt kutschiert, als geduldiger Lehrmeister und letztlich als bester Freund. Melancholische Komödie mit Tiefgang und voller Überraschungen, geprägt von zwei hervorragenden Hauptdarstellern.


 

Donnerstag, 30.9.2010, 18:00 Uhr

The war of the Misses - La guerre des miss

F 2008 – 86 Minuten - französische Originalfassung mit englischen Untertiteln

Mit: Benoît Poelvoorde, Olivia Bonamy, Paulina Bakarova, Laurent Gamelon

Komödie um die Rivalität zweier Dörfer im französischen Jura: Super Charmoussey ist ein schicker Skiort und der Nachbarort am Fusse des Berges, Charmoussey, nur ein verschlafenes Dorf. Jedes Jahr wetteifern die jungen Mädchen beider Orte um die Teilnahme an den regionalen Misswahlen und jedes Mal gewinnt natürlich Super Charmoussey. In diesem Jahr soll aber alles anders werden! Der Bürgermeister engagiert einen (erfolglosen) Schauspieler um seine Mädels richtig zu coachen und fit für eine Überraschung zu machen…

 

* Untertitel für Gehörlose (beschreiben neben den sprachlichen Inhalten auch Umgebungsgeräusche u.ä.)


 

GURU, BHAGWAN, TM & Co.

Dokumentarfilmschwerpunkt

AB 1. OKTOBER 2010:

NEXT EXIT NIRVANA

Ö 2010 – 90 Minuten - Regie: Walter Größbauer

30. März 2010, Haridwar/Indien. Es ist einer der Tage des "königlichen Bades" während der Kumbh Mela, dem größten Pilgerfest der Welt, das alle 12 Jahre in einer von 4 Städten am Ganges stattfindet. Rund 5.000 Gurus, spirituelle Lehrer, und 200.000 Sadhus, Mönche, die durch ein asketisches Leben Erleuchtung anstreben, beteiligen sich an der farbenprächtigen Prozession. Am Har-Ki-Pauri Ghat wird das erlösende Bad genommen, das von allen Sünden reinwaschen soll. Viele der über 2 Millionen Pilger, die an diesem Tag nach Haridwar gekommen sind, warten bereits seit den frühen Morgenstunden, um endlich ihren Guru zu sehen.

Ob es sich um eine Prozession oder einen Karnevalsumzug handelt, ob Spiritualität oder Eitelkeit die weisen Männer leitet, darüber ist sich der junge Mitarbeiter eines Callcenters, Buphinder Chahan, nicht im Klaren. Er selbst ist hin- und hergerissen zwischen Sensationslust, aufgeklärtem Denken und tradierten Werten, wie seiner unerschütterlichen Liebe zum Ganges: "Ich sehe den Fluss als meine Mutter, in ihm fließt das Leben."

Wer sind diese Menschen, die Pilger und Neugierige aus aller Welt in Millionenscharen anlocken? Sind sie weise, heilig, erleuchtet oder verrückt?

Da gibt es "Pilot-Baba", einen ehemaligen Kampfflieger der indischen Armee, der in vier Kriegen kämpfte und im Himalaya zur Erleuchtung fand: "Wir können über alles reden, aber nicht über Gott, nicht einmal über eine Begegnung mit ihm. Das ist eine Erfahrung, dafür gibt es keine Erklärung." Oder Bhagat Prakash und seine heiligen Kollegen von der Gemeinschaft "Prem Prakash Mandal", die ihre Philosophie weltweit bekannt machen wollen, "damit sich die ganze Menschheit moralisch und sozial weiterentwickeln möge." Und viele andere Asketen und Gurus, die im marktschreierischen Ambiente einer "Frühjahrsmesse der Spiritualität" das verkaufen, was sie als Monopol zu besitzen vermeinen: Selbsterfahrung, religiöses Wissen und die direkte Verbindung zu Gott.

Für Kritiker wie Buphinder Chahan eine unheilige Überschätzung. Seiner Meinung nach sind nur 1% der Gurus wirklich erleuchtet und daher fähig, die Grundlage von Meditation und Liebe den Suchenden nahezubringen. Andererseits seien auch die Suchenden selbst nicht immer von reiner Gesinnung: "Die meisten Menschen am Land glauben den Gurus blind. Das ist einer der Gründe, warum sie kommen und ihnen Respekt zollen. Der Hauptgrund aber ist ihre eigene Gier."

Sensationsgier mag einer der Gründe sein, der viele junge Menschen aus dem Westen nach Indien lockt. Die Zurschaustellung der verschiedenen Praktiken der Entsagung von allem Weltlichen übt eine große Faszination auf viele Suchende aus: Sadhus, die seit vielen Jahren einen Arm in den Himmel strecken; mit ihrem Penis 30 Kilo schwere Gewichte heben; völlig nackt, nur mit Asche bedeckt, durchs Leben gehen; 10 Stunden täglich auf einem Feuerstuhl schaukeln; auf Nagelbetten liegen oder für 12 Jahre auf einem Fuß stehen. Der Fantasie und Inszenierungskunst sind keine Grenzen gesetzt.

Der Film zeigt die widersprüchliche Position der heiligen Männer in der indischen Gesellschaft, die zwischen zeremonieller Verehrung und heimlicher Verachtung schwankt. "Diese Menschen wollen nicht arbeiten, sie sind eine Schande für die Gesellschaft!" Trotz gegensätzlicher Ansichten legt sich ein versöhnlicher Zauber über das Geschehen während der Kumbh Mela. Durch das gemeinsame Bad im Ganges scheinen sich alle sozialen Gegensätze und Ungerechtigkeiten beinahe aufzuheben. Religiöse Zeremonien und Bräuche verbinden. Sei es durch ein Baumwollband, das an den Banyanbaum geknüpft wird und Herzenswünsche erfüllen soll, oder durch das gemeinsame Rauchen einer Haschischpfeife als Vorgeschmack auf "Nirvana", den angestrebten Zustand von Wunsch- und Begierdelosigkeit…

 

AB 8. OKTOBER 2010:

DAVID WANTS TO FLY

D/Ö/Schweiz 2010 - 97 Minuten – Regie: David Sieveking

Die beispiellose Erfolgsgeschichte des Maharishi Mahesh Yogi begann im Himalaya. Um seine Meditationslehre zu verbreiten und den Weltfrieden zu erreichen, kam der indische Guru Ende der 50er Jahre nach Hollywood und gewann zahlreiche prominente Anhänger, wie die Beatles, Mia Farrow oder Clint Eastwood. Fast sechs Millionen Menschen weltweit praktizieren heute die Transzendentale Meditation (TM). Auch David, ein junger Filmemacher auf der Suche nach Inspiration, will es mit der Meditation probieren. Denn nicht zuletzt sein großes Vorbild, der legendäre Regisseur David Lynch, versichert ihm höchstpersönlich, dass TM eine Quelle der Kreativität und der Schlüssel zum Erfolg sei.

David beschließt, sein Idol beim Wort zu nehmen: Er unterzieht sich dem teuren Meditations-Training, erhält sein persönliches Mantra und versucht sich im yogischen Fliegen. Doch bald mehren sich die Ungereimtheiten. Denn die Organisation des indischen Gurus ist zu einer milliardenschweren Industrie geworden. Als Maharishi plötzlich stirbt, kommt es zum Streit um die Nachfolge. David Lynch entwickelt sich zum wichtigsten internationalen Botschafter der Organisation.

Trotz aller Zweifel und der Trennung von seiner Freundin hofft David weiter auf Erleuchtung. Der Filmemacher wird zum Pilger auf den Spuren der TM-Bewegung. Seine Schritte werden von der Organisation nun genauestens verfolgt – da er einigen wohl gehüteten Geheimnissen zu nahe kommt. Als schließlich David Lynch die Recherchen des Filmteams mit einer Klagedrohung quittiert, ist die innere Ruhe dahin. David reist in die USA und nach Indien: Anstelle des von Maharishi prophezeiten »Himmels auf Erden« stößt er auf Abgründe. In den Höhen des Himalaya endlich, an der eisigen Quelle des Ganges, findet David seine eigene Wahrheit.

David Sieveking gelingt das Kunststück, seine detektivische Sinnsuche als leichtfüßige Reise ins filmische Ich zu erzählen. Auf seiner abenteuerlichen Odyssee vom Berliner Teufelsberg über Hollywood bis in den Himalaya, verknüpft er spirituelle Erfahrungen und skurrile Beobachtungen mit spannender dokumentarischer Investigation.

 

Ab 29. OKTOBER 2010:

GURU - Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard

Schweiz 2010 – 98 Minuten – Regie: Sabine Gisiger, Beat Häner

Die wilden siebziger Jahre. Die Suche nach einem neuen Bewusstsein, nach Spiritualität und sexueller Befreiung. In England hört der junge Hugh auf einer Audiokassette den spirituellen Lehrer Bhagwan Shree Rajneesh. Er reist auf der Suche nach sich selbst nach Indien. Die junge Inderin Sheela wird von ihrem Vater zum charismatischen Guru gebracht und weiss mit einundzwanzig: Bei diesem Mann zu sein ist alles, was sie will.

In seinem Ashram in Poona hält Bhagwan seine Jünger zu Meditation und tantrischer Sexualität an, um sie zu höherem Bewusstsein zu führen. Hugh erlebt den Aufstieg des Gurus als Leibwächter. Sheela wird zur persönlichen Sekretärin und zur mächtigen Chefin von Bhagwans Modellkommune, die in den achtziger Jahren in den Bergen Oregons entsteht: 5’000 junge Menschen wollen eine ideale Lebensgemeinschaft bilden, die der Welt als Beispiel dienen soll. Der Guru, in der westlichen Presse der siebziger Jahre als «Sex-Guru» verpönt, macht nun mit seinen Rolls-Royces Schlagzeilen. Der Traum endet in einem Alptraum, für Hugh in einem seelischen Zusammenbruch, für Sheela im Gefängnis. Wann begann es, schief zu laufen?

«GURU – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard» – eine spirituelle Reise in die Tiefen und Untiefen der menschlichen Seele.

 

 

 

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